M2-Schock-Einsatzmodi
Thema
Die Mechanismen der Schockauslösung – unabhängig davon, welcher Aspekt in einem bestimmten Feld aktiv ist, sei es Ressourcenregime, politische Autorität, Weltanschauung oder Verwandtschaftsintensität – unterscheiden zwei Arten, wie sich Gefahr in einer exponierten Gesellschaft manifestieren kann: als plötzlicher und akuter Schock oder als langsamer und anhaltender Verfall. Entscheidend für den Unterschied zwischen den beiden Schockauslösungsmodi ist nicht das Ausmaß der sich anhäufenden Gefahr, sondern deren Geschwindigkeit im Zeitverlauf.
Die Veränderungsrate der Gefahr im Zeitverlauf ist die Variable, die den jeweiligen Schockauslösungsmodus aktiviert. Ist diese Veränderungsrate hoch, entfaltet sich die Gefahr als plötzlicher und akuter Schock, der keinen Raum für eine Reaktion lässt; ist die Veränderungsrate niedrig, bleibt die Gefahr aber über einen längeren Zeitraum bestehen, entfaltet sie sich stattdessen als langsamer Verfall, der die exponierte Gesellschaft kumulativ untergräbt, anstatt sie mit einem Schlag zu treffen.
Diese Änderungsrate der Gefahrenlage muss das Frühwarnsystem genau überwachen: Übersteigt diese Änderungsrate die Überwachungskapazität, verschlechtert sich das Frühwarnsystem und kann nicht mehr rechtzeitig unterscheiden, ob sich die Gefahr als plötzlicher, akuter Schock oder als langsame Verschlechterung entwickelt. Zu erkennen, in welche dieser beiden Schockarten die Gefahr eintritt, ist daher entscheidend für die Vorhersage der Anomalie A2, des katastrophalen Ereignisses: Ein plötzlicher, akuter Schock lässt deutlich weniger Vorwarnzeit als eine langsame Verschlechterung, obwohl beide letztendlich denselben Schwellenwert überschreiten können, der die Anomalie A2 auslöst.
ID:4622
