D6 Statistische und prospektive Analyse des Unfallrisikos
Thema
Über die Überwachung des Normalbetriebs hinaus, die bereits in den beiden vorangegangenen Modellen beschrieben wurde, nutzen die Nuklearindustrie und die Forschung statistische Analysemethoden, um die Wahrscheinlichkeit und die zu erwartenden Folgen seltener, aber potenziell schwerwiegender Ereignisse, wie beispielsweise der Restunsicherheit, die in einem Modell im Abschnitt „Anomalien“ dieses Katalogs beschrieben wird, prospektiv zu bewerten.
Diese Art der Analyse, die probabilistische Sicherheitsbewertung, kombiniert detaillierte Kenntnisse über die möglichen Ausfallarten jeder Komponente und jedes Systems in einem Kraftwerk – gewonnen aus der gesammelten Betriebserfahrung der gesamten Branche und aus spezifischen Ingenieurstudien – mit statistischen Verfahren. Diese schätzen die kombinierte Wahrscheinlichkeit von Ereignissequenzen, die einzeln betrachtet unbedeutend erscheinen mögen, aber in bestimmter Kombination zu einem schweren Unfall führen könnten.
Dieselbe interdisziplinäre MIT-Studie, die bereits das Restunsicherheitsmodell erwähnte, ist ein Beispiel für diese Art von branchenweiter Analyse: Ausgehend vom prognostizierten Wachstum der globalen Reaktorflotte über mehrere Jahrzehnte und unter Anwendung der bis dahin beobachteten historischen Rate schwerer Unfälle schätzte sie, wie viele zusätzliche Unfälle in diesem Zeitraum vernünftigerweise zu erwarten sind.
Dieses Modul, das über die Überwachung des Normalbetriebs hinausgeht, zeigt daher abschließend, dass diese prospektive statistische Analyse eine andere, aber komplementäre Funktion erfüllt: Während die Überwachung von D1 bis D5 sicherstellt, dass der Betrieb einer einzelnen Anlage in Echtzeit innerhalb der normalen Parameter bleibt, dient diese Analyse als Grundlage für regulatorische und konstruktive Entscheidungen auf branchenweiter Ebene und gibt vor, wo Sicherheitsverbesserungsmaßnahmen mit der größten erwarteten Auswirkung auf das Gesamtrisiko der gesamten globalen Flotte eingesetzt werden sollten.
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