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D8 Gründächer und hinterlüftete Fassaden

Thema

Ein Gründach reduziert die Dachoberflächentemperatur durch einen anderen Mechanismus als herkömmliche Dämmstoffe: Die Vegetation und das feuchte Substrat verdunsten kontinuierlich Wasser. Dieser Verdunstungsprozess verbraucht eine erhebliche Menge Energie in Form von Verdunstungswärme, die sich daher nicht auf dem Dach ansammelt, sondern es stattdessen erwärmt. Die Intensität dieser Verdunstungskühlung hängt – wie bei der Verdunstung jeder feuchten Außenfläche – von den klimatischen Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung) ab. Zusätzlich zu diesem thermischen Effekt speichert ein Gründach einen beträchtlichen Teil des Regenwassers und entlastet so die Entwässerung des Gebäudes und der Umgebung.

Eine hinterlüftete Fassade erzielt einen anderen, aber ähnlichen Klimatisierungseffekt: Zwischen der Außenverkleidung und der Rückwand befindet sich ein Luftraum. Wird dieser von der Sonne erwärmt, entsteht ein natürlicher Aufwärtsluftstrom – derselbe Kamineffekt, der bereits beim Lamellenmodul beschrieben wurde. Im Sommer führt dieser Luftstrom die im Luftraum angesammelte Wärme ab, bevor sie ins Innere gelangt. Im Winter hingegen, da die Sonneneinstrahlung nachlässt und die Luftkammer weniger aktiv ist, dient sie nicht mehr als Wärmeabfuhrweg, sondern als zusätzliche Schutzschicht, die den Wärmeverlust über die Rückwand abfedert.

Dieses Modul, das mit zwei Mechanismen – Verdunstung und Konvektion – arbeitet, die eine Oberfläche auf unterschiedliche Weise kühlen, zeigt somit, dass ein einzelnes Element, die Luftkammer einer hinterlüfteten Fassade, ihre Funktion je nach Jahreszeit ändern kann: Im Sommer Wärme abgeben, im Winter speichern – und zwar ganz ohne Eingriff.

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