M1 Unabhängige Beratung vs. hierarchische Konformität
Thema
Dieser Pfad kann in zwei Modi auftreten, je nachdem, wie der wahrgenommene Zusammenhalt und die Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen innerhalb der Gruppe zusammenhängen: ein Modus unabhängiger Beratung, in dem der Zusammenhalt gering oder die Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen hoch ist und jedes Gruppenmitglied seine individuelle Meinung einbringen kann, ohne Repressalien fürchten zu müssen; und ein Modus hierarchischer Konformität, in dem der Zusammenhalt hoch und die Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen gering ist, sodass die Anpassung an den wahrgenommenen Konsens sicherer ist als die Äußerung echter Meinungsverschiedenheiten. Die Variable, die den Übergang zwischen diesen beiden Modi auslöst, ist genau dieses Verhältnis zwischen wahrgenommenem Zusammenhalt und Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen.
Diese beiden Modi bestimmen, welchen Einfluss Gruppenzusammenhalt und hierarchischer Druck – die in diesem Ansatz bereits als Ausgangspunkte dienen – auf die Meinungsvielfalt vor der Entscheidung und die Häufigkeit geäußerter Kritik haben: Hoher Gruppenzusammenhalt, der auf Polarisierung und Gruppenidentität beruht, begünstigt hierarchische Konformität. Gleiches gilt für hierarchischen Druck durch die politische Autorität der Soziophysik, wenn die Äußerung von Kritik nach oben in der Hierarchie mit höheren wahrgenommenen Kosten verbunden ist als die Äußerung unter Gleichgestellten.
Der hierarchische Konformitätsmodus ist somit das Terrain, auf dem Gruppendenken am ehesten auftritt: Die Kombination aus hohem Kohäsionsdruck und geringer Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen führt dazu, dass die Häufigkeit geäußerter Kritik gegen null tendiert, selbst wenn die tatsächliche Unsicherheit der Entscheidung hoch bleibt. Der Modus der unabhängigen Beratung hingegen bewahrt die Meinungsvielfalt vor der Entscheidung und hält die Möglichkeit offen, dass die Gruppe die Weisheit der Masse erreicht, anstatt in Gruppendenken zu verfallen.
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